Das MOSAIK-Team trauert um Lona Rietschel

Das MOSAIK-Team trauert um Lona Rietschel, die am 19. Dezember 2017 gestorben ist.

Ihre Kindheit verbrachte Lona im brandenburgischen Reppen, heute Rzepin in Polen. In diesem Ort wurde sie am 21. September 1933 geboren. Als junges Mädchen träumte sie davon, etwas für die schicken Damen zu machen. Modezeichnerin wollte sie werden, in einem vom Krieg gezeichneten und zu weiten Teilen zerstörten Berlin. Ob es nichts Wichtigeres gab? Nun, was ist wichtiger als Lebensmut und Lebensfreude ... Damit reichlich ausgestattet, lief sie durch die Stadt und fand tatsächlich, was sie suchte: Einen Platz in einer Klasse für Modegrafik. Von der Pieke auf lernte sie also Menschen, Figuren zu zeichnen, den Fall der Stoffe richtig zu gestalten – eben alles, was zur Modegrafik dazugehört.

Doch sollte es das nun wirklich sein? Nein, es durfte gerne etwas lustiger und karikierter werden, also wechselte sie nach Westberlin in eine Klasse für Zeichentrick. Obwohl die Ausbildung hier nicht wirklich ihren Vorstellungen entsprach, so war doch der Funken für das Genre Comic entzündet. Er sollte noch eine Weile schwelen, bevor Lona am 1. Mai 1960 beim MOSAIK anfangen konnte.

Während das Heft Millionenauflagen erlebte und beliebt bei Jung und Alt war, blieben die Künstler allerdings, die dahintersteckten, stets hinter den Kulissen der unglaublichen Abenteuer ihrer Protagonisten verborgen. Wer sie in die Welt schickte, wer sie lachen, weinen und Grimassen schneiden ließ, konnte man nur dem Kleingedruckten auf der letzten Seite des Heftes entnehmen: Gestaltet vom MOSAIK-Kollektiv. Erst ab 1976 standen dahinter säuberlich alphabetisch sortiert die Namen. Eine ziemlich anonyme Masse für den Leser, der hier nicht einmal erkennen konnte, wer Männlein oder Weiblein war, und doch so gerne wissen wollte, wer die detailverliebten Landschaften, die prallvollen Wimmelbilder, die bewegten Szenerien da Monat für Monat auf’s Papier zauberte.

Doch unter den wahren Fans wusste man natürlich recht schnell die Eigenheiten und Besonderheiten eines Zeichenstils zuzuordnen: Da gab es diesen Strich und jenen Strich und es gab DEN GUTEN ZEICHNER. Obwohl man sich beim MOSAIK natürlich stets um eine Einheitlichkeit im Stil bemühte, was mal mehr, mal weniger gut gelang, konnte man mit Kennerblick die unterschiedlichen Zeichner zuordnen. Natürlich nicht namentlich, aber es gab da in jedem MOSAIK so einige Seiten, die man sich besonders gerne anschaute, weil einfach alles stimmte – von vorne bis hinten ... DER GUTE ZEICHNER alias Lona war wieder am Werk gewesen.

Lonas Strich war eben ein besonderer, stets schwungvoll und mit Leichtigkeit und selbst bei Bösewichten liebevoll. So verwundert es auch nicht, als 1975 neue Protagonisten für das MOSAIK erfunden werden sollten, dass ihre Entwürfe am besten ankamen. Während Lothar Dräger die Konzeption für die Abrafaxe entwickelte, gab sie ihnen ihre Gestalt, ihre Gesichter und Califax gleich noch ein gemütliches Bäuchlein dazu.

Wie eine Mutter hat sie Abrax, Brabax und Califax seitdem begleitet – hingebungsvoll, mit sicherer Hand, einem unglaublichen Einfühlungsvermögen, der nötigen Strenge, aber vor allem immer mit ganz viel Liebe. Und das sieht man den Abrafaxen bis heute an: Drei selbstbewusste, gutmütige Kerlchen, die mit wachem Blick durch die Weltgeschichte ziehen, sind sie unter ihrer Obhut geworden. Sie haben ihren Platz im Leben und viele Freunde gefunden. Und Lona ist und bleibt das Vorbild für die 8 Zeichner, die heute das MOSAIK-Heft gestalten. Das größte Kompliment, das sie einander machen, heißt, dass etwas LONÖS geworden ist, was bedeuten soll, es sieht mehr oder weniger wie von Lona gezeichnet aus.

Liebe Lona, wir danken dir für alles!









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Pressezitate

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Das MOSAIK macht nicht bloß Spaß, sondern auch schlau!

Märkische Allgemeine 06.04.2013

Die erfolgreichsten deutschen Comics [...]

Lausitzer Rundschau 22.03.2013

Wahrheitsgehalt, Weltbild, Werte: Dafür war das Mosaik lange nicht für voll genommen worden. Jetzt werden sogar die künstlerischen Einflüsse gewürdigt.

Die Welt 26.04.2014